Hannoversche Allgemeine vom 16.1.2009

Für faire Bierpreise!

Wirte stöhnen: InBev erhöht Bierpreise Hannovers Wirte schlagen Alarm: Zum zweiten Mal innerhalb weniger Monate erhöht der InBev-Konzern am 1. Februar die Preise für Fassbier und Flaschenbier einzelner Marken. Betroffen sind auch Beck’s und Gilde. Allerdings wollen die Wirte die Preiserhöhung zunächst nicht an die Kunden weitergeben. Teurer darf's nicht werden: 2,70 Euro kostet ein großes Pils im Kalabusch. Wirt Jörg Nagy will die erneute Anhebung des Bierpreises durch den InBev-Konzern nicht akzeptieren. „Wer in der momentanen Konsumkrise den Preis für ein Glas Bier anhebt, kann seine Kneipe gleich dichtmachen“, sagt Jörg Nagy, Wirt der Gaststätte Kalabusch in der Südstadt. Durch die Preiserhöhung verkleinere sich die Gewinnspanne bei Fassbier derartig, dass für manche Wirte eine ruinöse Grenze überschritten werde, sagt der Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga). Der InBev-Konzern bestätigte gestern die „Preisanpassung“. Der Konzern reagiere auf die gestiegenen Rohstoff- und Produktionskosten. Wie stark die Preise steigen, wollte InBev-Sprecher Oliver von Oehsen nicht sagen: „Weil Groß- und Einzelhandel sowie Gastronomie in ihrer Preisgestaltung frei sind, können wir die Auswirkungen auf die Endverbraucherpreise nicht einschätzen.“ Zudem gebe es große Unterschiede in der Vertragsstruktur von Wirten und Händlern. Erst im September hatte InBev die Preise erhöht. Kalabusch-Wirt Jörg Nagy zahlt seitdem sechs Euro mehr für ein 50-Liter-Fass. „Ab Februar kommen für mich nochmal vier Euro drauf“, sagt er. Zusammengerechnet werde der Bierpreis damit um mehr als 15 Prozent erhöht. „Wenn ich das an meine Gäste weitergeben würde, müsste ich statt 2,70 Euro für ein großes Bier (0,4 Liter) 3,20 Euro nehmen“, sagt Nagy. Schon jetzt sei die Gewinnspanne bei Fassbier minimal, rechnet Jan Verhagen vor, Wirt der Gaststätte „… und der böse Wolf“ in Linden: „Es gibt keinen Wirt, der mehr als fünf Cent an einem Glas Bier verdient – viele sogar wesentlich weniger.“ Besonders hart treffe die Preiserhöhung kleine Einraumkneipen, sagt Rainer Balke vom Dehoga. „Die können die sinkende Gewinnspanne beim Fassbier nicht mit Küche oder Kaffeekultur ausgleichen.“ Allgemein habe es in der Branche im vergangenen Jahr einen Umsatzeinbruch von rund zehn Prozent gegeben. „Rauchverbot, Konsumkrise und steigende Energiekosten sind schon jetzt ein fataler Mix für viele Wirte“, sagt Balke. „Preiserhöhungen könnten da für manche Kneipen das Aus bedeuten.“ Flaschenbier ebenfalls teurer: InBev hebt zum 1. Februar auch den Preis für Flaschenbier an. Betroffen sind etwa Halbliterflaschen der Marke Beck’s und alle Flaschengrößen der Marke Gilde. Ob die Preiserhöhung an den Endverbraucher weitergegeben wird, ist auch hier noch unklar.
von Rüdiger Meise

Neue Presse vom 26.03.08
Wirt der Woche
"Anders-Sein ist mir suspekt"
Jörg Nagy, hauptberuflich Chemiker, betreibt seit 2004 quasi als Nebenbeschäftigung das alteingesessene Kalabusch in dr Sallstraße. Ich wollte nicht, daß dieses Stück Kneipenkultur, das es seit 1975 gibt, verschwindet und womöglich einem Handyschalen-Verkauf oder der x-ten Dönerbude weichen muss", sagt er.


Wo haben Sie das letzte Mal so richtig gut gegessen? Bei Mutti! Ansonsten ist das "Spätzle-Haus" in Herrenhausen mein Favorit.
Und wo lief es nicht so doll?
Letztes Jahr in Karlsruhe. Da hatte ich Heißhunger auf einen Hot-Dog, konnte aber keinen finden. So wurde es dann ein fettiger Döner.
Welche Gastronomie fehlt Hannover ganz dringend?
Keine. Die Stadt hat alles.
Wohin gehen Sie, wenn Sie nachts um drei Uhr Hunger haben
Zum Kühlschrank. Früher, als ich um diese Zeit noch unterwegs war, sind wir in's Alexander gegangen. Damals war's jedenfalls klasse.
Ihr Lieblingsrestaurant oder Ihre Lieblingsbar im Sommer?
Die Terasse der Insel am Maschsee. Da gibt es preisgekrönte Sonnenuntergänge.
Und im Winter?
Ruhige Kneipen wie die Fiedel in der List, das Cheers in der Nordstadt oder eben das Kalabusch.
Ihr Tipp für einen leckeren Ausflug in die Region?
Ist zwar nicht mehr Region, aber die Schleuse an der Wümme in Lilienthal bei Bremen ist nicht nur wegen der Anfahrt am Deich entlang ein Erlebnis. Dort muß man eigentlich Grünkohl essen.
Welchen gastronomischen Trend verfluchen Sie?
Molekulare Küche. Laborgeräte gehören einfach nicht in die Küche. Anders sein zu wollen nur um des Anders- Seins willen ist mir suspekt. Ich gebe aber zu, diesen Trend noch nicht probiert zu haben. Vielleicht ändert sich meine Meinung ja.
Welches Gericht ist mega-hip?
Das klassische Kalabusch-Baguette! Zeitlos, lecker, günstig, und man hat es nie über.
Und welches Gericht sollte man schnell von der Karte streichen?
Alle, für die Tiere offensichtlich respektlos behandelt werden. Seit ich weiß, daß für Haifisch- Flossensuppe den Haien bei lebendigem Leib die Flossen abgeschnitten werden und der lebende Torso ins Meer zurückgeworfen wird, habe ich absolut kein Verständnis für Leute, die das essen. Da gibt's noch zig Beispiele.
Welcher Drink ist mega-hip?
Und da ist wieder mein begrenzter Horizont. Der "Rote", auch "96er" genannt, hier aus dem Kalabusch. Ist erst süß und schmeckt nach Himbeere, wird anschließend gewaltig scharf vom Schlund bis in den Magen. Da kriegt man schon mal Tränen in die Augen.
Und welcher sollte von der Karte verschwinden?
Süße Bier-Limonaden-Mixe.
Was wird in der Küche der Zukunft gekocht?
Ich hoffe: Alles, was schmeckt.
Welcher Satz von Gästen nervt Sie so richtig?
Jeder, der mit "Ihr müsstet mal..." anfängt!
Wirt der Woche
Foto: Wilde

Hannoversche Allgemeine Zeitung vom 11.11.05
Zwei Dinge von Dauer
Lounge, Coffeshop oder Bar: Wer heute professionell Gäste bewirtet, wählt einen dieser Namen für sein Lokal und sorgt für eine schicke Atmosphäre. Doch es gibt sie zum Glück immer noch - die Orte, die sich schlicht "Kneipe" nennen. Rustikale Möblierung, Bier aus dem Hahn und Baguette aus der Küche sind ihre wichtigsten Merkmale. Nicht zu vergessen die Fußballübertragungen.
Wirte mit Stehvermögen
Wirte mit Stehvermögen: Jörg Nagy und Jens Ludwig vom Kalabusch... feiern Kneipenjubiläum. (Fender)
Zwei dieser echten Kneipen, der "Spiegel" am Altenbekener Damm und das "Kalabusch" in der Sallstraße beweisen, daß ein solches Konzept von Dauer sein kann: Beide feiern jetzt ihr 30-jähriges Bestehen.
...
... Auch im "Kalabusch" sieht es so aus wie vor 30 Jahren.
Neu hinzugekommen ist allerdings die große Leinwand für Fußballübertragungen, denn wie im "Spiegel" gibt es jedes 96-Spiel dort zu sehen. Fußball ist den Pächtern Jörg Nagy und Jens Ludwig überhaupt sehr wichtig, die Lesung mit den Autoren der HAZ-Sportrubrik "Platzwart" im Mai war ein riesiger Erfolg. Auch Nagy und Ludwig hatten als Bierzapfer im "Kalabusch" begonnen - und die Kneipe ... übernommen, als es ihr gar nicht gut ging. Unter ihrer Regie kamen die Gäste wieder, und sie sollen auch zahlreich zur Party am Sonnabend ab 19 Uhr mit der Liveband "Panama Red" erscheinen.
ste

Magascene vom November 2005
30 Jahre Kalabusch
Die Südstädter Kneipeninstitution geht ins vierte Jahrzehnt ihres Bestehens! Ob das Gründer-Trio um Rainer Effner 1975 damit gerechnet hat? 1975 - das war die Zeit, in der Hannovers Kneipenlandschaft boomte. Damals sprach man nicht von einer "coolen location" sondern von einer "duften Pinte". Parties wurden daheim gefeiert und Gartenmöbelabteilungseröffnungen waren noch Gartenmöbelabteilungseröffnungen und keine Events. Was es aber gabe, war eine vitale Folk-, Jazz- und Rockszene, die sich vornehmlich in der Kneipenszene dem Publikum präsentierte. Auch das Kalabusch war vom Start weg eine beliebte Live-Adresse. Lokale Größen wie Cumulus, Brummkreisel oder Doppeldecker waren hier zu erleben.
Apropos "das Kalabusch": Bis zum heutigen Tag streiten die Gelehrten darüber, ob es nun in der Tat "das Kalabusch" oder doch "der Kalabusch" heißt. Sicher ist nur, daß der Name aus dem Hebräischen stammt und in etwa "das kleine Gefängnis" bedeutet. Im Südstädter "Gefängnis" allerdings muß sich niemand Sorgen um sein Wohlbefinden machen.
Im Gegenteil: Das gut sortierte und ebenso zubereitete Speis- und Trankangebot war schon immer sehr beliebt. Besonders die superben Baguettes kamen schon bei den Altvorderen gut an. Nachdem seit Anfang der 90er Jahre Bernhard Richter und Kurt Kollmann (stieg zwischenzeitlich wieder aus) den Laden führten, haben seit einigen Monaten mit Jörg Nagy und Jens Ludwig zwei ehemalige Zapfer (Jens seit 1988) die Regie im Kalabusch übernommen. Erste Amtshandlung: Eine grundlegende Reinigung. "30 Jahre hatten eine Menge Spuren hinterlassen, von denen viele nicht zum positiven Bild der Kneipe beigetragen haben", sagen Jörg und Jens augenzwinkernd. Nun erstrahlt das bzw. der altehrwürdige Kalabusch in neuem Glanz. Neben viel Fußball - dominant ist die Farbe Rot! - gibt es gelegentlich Lesungen und auch wieder Live-Musik. So auch zur Jubiläumsfeier am 12.11., wenn The Experimental Panama red sicherlich einen astreinen Auftritt in dieser duften Pinte hinlegen werden.

Hannoversche Allgemeine Zeitung vom 24.5.05
Die Platzwarte Der Platzwart lüftet sein Geheimnis

Volles Haus, angemessene Kleidung: Wer bislang behauptet hat, die AWD-Arena sei die größte Partyhütte der Stadt, wurde gestern eines Besseren belehrt. Denn Bruno Brauer (links), freier Journalist, und HAZ-Kulturredakteur Uwe Janssen, die sich hinter unserem Platzwart verbergen - womit ein großes Geheimnis der Stadt gelüftet ist -, brachten das "Kalabusch" ins Party-Gespräch. Ins Leseparty-Gespräch. Ihr spezieller Saisonrückblick auf Hannover 96 erinnerte schonungslos an die besten Szenen vom "Roten Platz". Live und in Farbe. Damit der Platzwart auch zur neuen Saison kompakt steht.
r/zN

Hannoversche Allgemeine Zeitung vom 9.2.05
Neustart im "Kalabusch"
Jens und Jörg Runde 30 Jahre alt wird die Südstädter Traditionskneipe "Kalabusch" in diesem Jahr - doch das fröhliche Ereignis wird unter neuer Regie begangen. Jörg Nagy, im Hauptberuf Chemiker, und sein Kompagnon Jens Ludwig führen jetzt die Geschicke der gemütlichen 80-Plätze-Kneipe in der Sallstraße, die vor allem für ihre exzellenten Baguettes bekannt ist. Vorgänger Bernhard Richter hat sich aus dem Betrieb zurückgezogen und konzentriert sich auf das Veranstaltungsgeschäft, auch sein Maschseefest-Engagement an der Maschseequelle soll weiterlaufen wie bisher. Die neuen Betreiber kennen ihr Kalabusch gut - vor allem hinterm Tresen. Ludwig zapft dort seit 1988, auch Nagy war zeitweilig im Kneipenteam. Mit etwas Kunst und Kultur wollen sie für frischen Wind sorgen: Lesungen seien denkbar und wie früher Ausstellungen lokaler Künstler; mit Schauspielern der Landesbühne sind Kontakte für kleine Inszenierungen geknüpft, ab April gibt es Konzerte. Den Auftakt macht die Formation "Panama Red", "aber ohne Verstärker", sagt Ludwig. Schließlich wollen es sich auch die neuen Betreiber nicht mit den Nachbarn verderben.
Foto: Fender Text: med